Bei Carlo in La Corsa

Carlo, der Besitzer, nähme es mit der Sauberkeit nicht so ganz genau, sagt die nette handfeste Holländerin, die mit ihrem klapprigen Mann neben uns zeltet, aber bei der hinreißenden Aussicht in toskanische Weiten würde sie halt das Klo selber putzen. Schöne Haltung, wie man sie an den Orten, an die es uns trägt, öfter findet.

Einerseits könnte man sagen, wir stehen auf einem in die Jahre gekommenen Platz und lassen uns jeden Tag etwas einregnen. Im Tal probiert ein Bauer seinen neuen Mähdrescher aus, was man ziemlich gut hört und gestern haben wir, als alle unterwegs waren, den Haufen mit dem Schnittgut, den Carlo ideal in der Sichtachse aufgetürmt hatte, so sorgfältig wie unauffällig in der Gegend verteilt. Wenn es dunkel wird, legen die Frösche vom Teich her los. Einer dringt besonders durch, der klingt, als würde jemand erdrosselt, – ganz klein sind die, sagt die Holländerin entzückt.

Man könnte aber auch sagen, es ist ein verwunschener Ort, an dem sich seltsame Wesen einfinden. Im Teich leben riesige goldbäuchige Karpfen, die man mit Brot an die Oberfläche locken kann, ein Fuchs kommt zu Besuch, wenn es dunkel ist, es gibt Blindschleichen, Eidechsen, glänzende Käfer, Glühwürmchen und eine Unmenge von Vögeln, die alle unbeeindruckt ihrem Tage bzw. Nachtwerk nachgehen. Morgens ist die Gegend vom Dunst ganz weichgezeichnet und wenn am späten Vormittag die Sonne durchbricht, schießt Farbe in die Landschaft. Die wenigen Mitbewohner sind allesamt entspannt und gestern kamen zwei Esel mit menschlicher Begleitung, die gerade auf alten Hirtenpfaden das Land erwandern. Die Esel schauten kurz vorbei, beschnupperten unseren Feldblumenstrauß, leckten Elle die Füße, taxierten den Laptop und trollten sich wieder. Es gibt die wunderbare Gelegenheit, diesen Rhythmus mitzugehen, der kein Ziel verfolgt, außer, dem nächstbesten Gedanken nachzuspüren, und deswegen bleiben wir noch. Zudem wird das Wetter gerade besser und ist heute Sonntag, da bleibt der Mähdrescher in der Scheune.

1 Kommentar

  1. Gabi sagt: Antworten

    Ach wie schön! Das Foto oben rechts wie ein Gemälde! Bella Italia, vero!!

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