Figarooooo

Wenn man mal einen guten Friseur gefunden hat – in meinem Fall einer, der nicht mit einem redet –, zieht der normalerweise innerhalb eines halben Jahres nach dem ersten Schnitt in eine andere Stadt. Weil ich's leid bin, einen neuen zu finden und weil sie's kann, schneidet mir Elle die Haare und alles ist fein. Heute jedoch stehen wir vor dem Barbershop, den wir gestern Abend nach dem Markthallenbesuch entdeckt hatten.

Die Friseure tragen allesamt lange Bärte sowie Hüte und sind bis zum Hals tätowiert, das ist schon mal vertrauenerweckend, zudem haben Frauen keinen Zutritt und Elle wird freundlich des Ladens verwiesen. Da möchte man einerseits als Solidaritätsbekundung vom Frisierstuhl springen, andererseits ist es gut so, weil ich sonst immer mit einem Auge versuchen würde, in Elles Gesicht den Fortschritt der Frisur zu lesen. Sehen tut man nämlich nix, weil man mit dem Rücken zum Spiegel sitzt.

Der Meister schneidet und rasiert grade mal 15 Minuten, um sich dann eine weitere Dreiviertelstunde Zeit zum Frisieren und Modellieren zu nehmen. Es kommen drei verschieden harte Pomaden zum Einsatz und fünf unterschiedliche Kämme. Dann folgt der Moment der Wahrheit, – der Friseur ist nicht besorgt, aber auch nicht sicher, ob sein Kunstwerk gefällt, – ich muss erstmal die Brille aufsetzen. Als Träger einer imposanten hoch aufragenden Hochglanz-Doppelwelle darf ich dem Stuhl entsteigen, der Kreateur strahlt erleichtert, wir geben uns lange die Hand, bevor es hinaus geht unter Lissabons blauen Himmel. Leichte Wehmut erfasst mich, denn eins ist ist klar: am nächsten Morgen wird alles unrekonstruierbar dahin sein (so ist's dann auch). Aber da Lissabon gemacht ist für die Schwermütigen, genieße ich den Tag und hab die Haare schön.

Der Rest des Tages verblasst natürlich völlig im Schatten der legendären Frise!
Dennoch: Wir stromern weiter durch das Viertel (Cais do Sodré), entdecken farbenfrohe Salons des ehemalig ältesten und größten Bordells im Hafenviertel ...

... kreativ gestaltete Schuh- und ...

... Klamottengeschäfte, ...

... fantasievolle Schaufenster- und Fassadengestaltung.

Mal wieder landen wir am Fluss, das Licht ist aber auch immer so schön ...

... es wird massiert, gesessen und gegessen. Nicht umsonst heißt es, dass in Lissabon das Geld ausgegeben wird, was in Porto erarbeitet wird.

3 Kommentare

  1. kh sagt: Antworten

    … sehr schöne Friese, tolle Photos überhaupt, vielen Dank.

  2. Panja Gobel sagt: Antworten

    Super Doppelwelle und liebe das Bordell mit der lustigen Decke!

  3. silvia brunner sagt: Antworten

    Wild verschwurbelt, gfälltst mir besser lieber Dirk. Du bist doch nicht so ein gschleckter Typ.
    Lissabon bringt Ihr ja sehr vielversprechend rüber. Da muss ich mal hin.

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