Forests are gonna change

Die Fahrt durch Tschechien mit Braunkohlesteppen, Kraftwerken und Platte war zwischendurch schon etwas trist, aber in der sächsisch-tschechischen Schweiz erreicht ein – uns leider die ganze Reise durch alle Länder begleitendes – Phänomen seinen unschönen Höhepunkt, das Baumsterben, die vielen Fichten, die bereits Opfer der Trockenheit wurden. Es sind krasse Wunden, die Hitze und Borkenkäfer in den Wäldern verursachen, manchmal sieht es aus wie kreisrunder Haarausfall, manchmal wie Sturmschneisen, manchmal wie wenn eine Horde Riesen mit schwerem Schuhwerk über die Berge gestolpert wäre.

Je nach Land, Eigentümer, Konzept und Finanzlage werden die kaputten Bäume entweder einfach liegengelassen oder schnell rausgeschlagen und wegtransportiert – dann gesellt sich schweres Gerät, grobe Verwüstung übermannshoher Reifen und hochhaushohe Stapel Stämme neben die Schneisen. An manchen Orten stehen sie noch aufrecht als getrocknetes Mahnmal, an manchen herrscht einfach nur Ruhe, stille Brache, liegen die vielen Baumleichen sacht und leise die Abhänge hinunter.

So oder so, wir werden sehen, wie Wald und Tier reagieren, welche Wirkung wir erzeugt haben werden. Bei den Anblicken möchte man gern hoffen (auch wenn es wenig Grund dafür gibt), dass eine generationengerechtere, gesündere und nachhaltigere Waldkultur folgt.

Update: folgendes gelernt nach dem Ansehen des Filmes "Das geheime Leben der Bäume"
1. Die Fichte hat das hiesige Klima nie gemocht, sie wohnt eigentlich viel höher im Norden, sie passt also eigentlich gar nicht in diesen Breitengrad. Zudem ist selbst aus forstwirtschaftlichausbeutender Sicht der Baum immer schon eine Fehlanlage, da 57% jeder Fichtenplantage vor der Ernte von Sturm oder Borkenkäfer dahingerafft werden, seit Jahrzehnten bei den Waldbesitzern bekannt, aber ignoriert.
2. Das schwere Gerät für Baumfällung und Abtransport ist noch viel schlimmer als es aussieht, da es die ärgsten Schäden in tiefen Bodenlagen anrichtet, denn die tonnenschwere Belastung wirkt sich per Vibration als Kegelverdichtung in die Tiefe aus (dicht = kein Wasserspeicher, keine tiefe Verwurzelung), von der sich der Boden erst nach der nächsten Eiszeit erholt haben wird. Die fetten Breitreifen, die den Druck auf den Boden verteilen und ableiten soll, ist nett gemeint, kann aber nur dabei helfen, dass die Matschrillen nicht so schmal sind.
3. In Brandenburg wurden nach den Bränden der vergangenen Sommer sämtliche Böden komplett gerodet, also mit ebendiesem schweren Gerät befahren, von allem pflanzlichen Material befreit und maschinell neu bepflanzt, mit – tadaaa – exakt dem Baum, der gerade so dramatisch gescheitert ist. Es wird nicht, wie es nachhaltig und sinnvoll wäre, dem Boden ein wenig Zeit gelassen, die Auswirkung des Brandes zu verarbeiten, um den düngenden Effekt für die kommenden Pionierpflanzen, das Totholz als nächsten Lebensraum und all die verbliebenen, weil eben nicht gänzlich verbrannten Bäume, Tiere, Pilze, Organismen zu nutzen, um genau das dort entstehen zu assen, was an dem Ort die passendste und damit auch für den Mensch beste Flora und Fauna wäre.

Ganz schön bekloppt das alles, und eigentlich ziemlich schlimmscheiße.