Mal(le) ohne Rambo

Eigentlich sollten hier ja nur die Reisen mit Bus auftauchen, andererseits haben wir es nie beschlossen, sondern stillschweigend vorausgesetzt. (Auch weil Reisen ohne Bus eigentlich gar nicht geplant waren.) Da Elles Eltern aber mittelschwer irritiert waren und wir um jeden Leser kämpfen, hier also der Reisebericht zu unserem 8-Tage-Ausflug nach Mallorca.

Selbst wenn klar ist, dass es mehr als Ballermann und Arenal geben muss, bleibt bei mir doch ein gewisses Misstrauen der Insel gegenüber, in etwa wie bei Königsberger Klopsen mit Kapernsoße. Da ich Kapern hasse, muss der Klops es ausbaden. (Ehe der hinkende Vergleich gleich der Länge nach hinschlägt, weiter im Text.)

Seit Jahren will Elle eine Freundin aus Kindertagen besuchen, die mittlerweile auf Mallorca lebt und tatsächlich klappt es nun mit einem Termin. Dass man für weniger als einen Wochenendeinkauf nach Mallorca hin und wieder zurück fliegen kann, ist mir ein Rätsel und wahrscheinlich auch unverantwortlich, aber schon vor dem Abflug haben wir andere Sorgen. Gewohnt, ganz nach eigenem Timing zu reisen, wird's auf einmal zeitlich eng – vor allem, wenn man wie ich die Hälfte des Gepäcks zu Hause vergisst und nochmal zurückspurten muss. Noch nicht mal in der Tram und schon vollständig durchgeschwitzt, na vielen Dank. Dafür sind Flug (lächerliche 2 Stunden) und Mietautoabholung problemlos und nach einem kurzen, dafür heftigen Hagelsturm präsentiert sich die Insel von ihrer fruchtbaren Seite.

Man kann mit dem Wagen jeden Punkt Mallorcas in einer guten Stunde erreichen und von Gebirge über Ebenen und Küste ist alles auf engstem Raum zusammengepackt, so eine Art Mini-Natur-Showroom, der aber auf interessante Weise weit wirkt. Die endlosen Ebenen hat man in 10 Minuten durchquert und über steile Serpentinen kommt man nach 15 Minuten am höchsten Gipfel an und kann bis ans Ende der Welt schauen.

Jetzt im Frühjahr ist alles üppig grün und die Blumenwiesen stehen in voller Pracht. Es summt, brummt, zwitschert und zirpt in frühlingshafter Betriebsamkeit und die Luft ist klar und frisch. Zeit für ein bisschen Heuschnupfen. Es gibt kaum Kühe (historisch bedingt), dafür Schafe in rauhen Mengen, die je nach Gegend mit den weißen Blüten oder dem hellen Sandstein verschmelzen. Außerdem noch Ziegen, hochbeinige Schweine und unzählige Radfahrer – zu ihnen später mehr. Nach guten 30 Minuten Fahrt biegen wir in die Auffahrt zu unserer ersten Unterkunft ein.

Grob gesagt kann man Unterkünfte auf Mallorca in drei Kategorien einteilen: Finca (oder Finca-Hotel), Appartement am Meer, Kloster. Die Klosterzimmer sind die günstigsten und spartanisch eingerichtet, denn der sinnsuchende Pilger braucht keinen Tand. Mit etwas Glück aber gibt es grandiose Aussicht, denn sie liegen alle oben am Berg. Jetzt Anfang April bläst es hier kalt durch die Gebäude, also eher was für den Sommer. Die Appartements am Meer liegen meist in einem neueren (wenn man Pech hat älteren) Wohnblock und sind Geschmackssache. Schnuckelige Fischerörtchen gibt es nämlich nicht so viele, am Strand sind eher Bettenburgen die Regel. Die neuen Fincas sind alten Steinhäusern nachempfunden, die schönen alten Finca-Hotels wiederum sind ehemalige Landsitze, die man logischerweise eher im Landesinneren findet. Campingplätze gibt es übrigens gar keine.

Nähkästchen: Eine Unterkunft zu buchen ist bei uns immer ein großer Spaß und folgt einer lang einstudierten Choreographie. Zuerst suchen wir auf den einschlägigen Portalen die Angebotsbilder nach Ungereimtheiten und zwielichtigen Perspektiven ab und da die Schnittmenge von dem, was wir beide gut finden, ziemlich klein ist, bleiben meist nur ein paar Objekte übrig. Eine Woche – oder bei Zeitdruck ein Tag – vergeht. Wenn es dann wirklich ans Buchen geht, hat Elle mittlerweile eine niedliche Entscheidungsschwäche ritualisiert: „Nehmen wir die Unterkunft?" „Okay, buch sie“, "Hm, oder doch die andere?“, "Auch recht, buch die“, "Aber die andere hatte ... mmhm“, „Oh, jetzt ist das Zimmer weg.“ (Anm. Elle: es braucht halt den klaren Buchungsimpuls, wenn der nicht da ist, kann ich nicht klicken, da kann ich auch nix dafür.)

Unsere Finca gewinnt (und wird tatsächlich nach wiederholtem Hin und Her im zweiten Anlauf mit dem dann bereits teureren Zimmer gebucht) wegen den extaordinären, riesigen abstrakten Bildern an der Wand, die einen schönen Kontrast zu den alten Backsteinmauern des Raumes bilden. Der Raum ist riesig, wir haben eine eigene riesige Terrasse und zwei riesige Betten. Hier kann man famos lümmeln und lungern und sich überlegen, was man alles machen möchte … und dann einfach liegen bleiben. Gut, dass man seinen Tagesausflug sehr spät beginnen kann (kurze Wege, rememberst?). Nicht wie in Sri Lanka, drei Tage vorher früh aufstehen und Stunden durch den Dschungel gurken für irgendeine Aussicht.

Aber jetzt geschwind los zum Abendessen, was wir im rustikalsten und besten local Lokal des Ortes bekommen. Punktlandung, eingeleitet und begleitet von einem umhermäandernden Orchester.

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