Sonnenhof Seebacher

Wir werden vom Bauern begrüßt als einer von 5 Campern, die heute auf dem Hof übernachten werden. Nicht alle kommen via Landvergnügen – etwas, was uns auch in Deutschland auf den besuchten Höfen immer häufiger auffällt. Deswegen hier ein kleiner Exkurs zum Thema: Apps und Plattformen rund um Camperstellplätze (Alpaca Camping, Schau ins Land, Roadsurferspot ...) haben enorm zugenommen und keine hat das (nicht-)Bezahl-Konzept wie Landvergnügen, man zahlt entweder dem App-Betreiber oder Gastgeber direkt eine Gebühr zwischen 10 und 20 Euro. Klar, dass man als Landvergnügen-Gast da nicht (mehr) ein gefragter Kunde ist. Schade eigentlich.

Bio Sonnenhof Seebacher
Aich 16
8943 Aigen im Ennstal, Österreich

Die neuen Apps kannibalisieren das nach Jahren gut eingeführte Stellplatzkonzept für Bauernhöfe und andere Erzeugerorte, was auf Gastgeberschaft, gegenseitigem Kennenlernen und wertschätzendem Handeln fußt. Doch klar steigen Gastgeber um, wenn sie schlechte Erfahrung mit Landvergnügen-Reisenden machen (immer wieder wird uns erzählt, dass Gäste sich daneben benehmen oder nichts einkaufen oder konsumieren) und verlässliche Einnahmequellen bei gleichem Aufwand winken. Viele Höfe sind deshalb nicht mehr bei Landvergnügen gelistet, weil sie entweder zu anderen Anbietern gewechselt haben oder sich einfach nun selbst vermarkten.

Zurück zum Sonnenhof: Uns wird der betonierte Platz vor der Scheune zugewiesen, dann werden wir in die Gepflogenheiten des Platzes eingewiesen. Wir sind von Gästeeinträgen in der App vorgewarnt, dass eine "Einladung" zum Frühstück kommen wird, die man nicht ausschlägt. Denn der Hausherr hat eine Mission, die ich zwar vollumfänglich gutheiße (es geht um die Feinheiten und das Zusammenspiel der Natur sowie ökologische Landwirtschaft), die mich aber schon nervt, bevor ich den Gastgeber kennenlerne. Ich rede mich raus, Dirk "bucht" das morgendliche Event brav. Ich lasse mir aber noch sehr gern den besten Blick auf den Grimming erklären, nämlich morgens um 5, wenn die Sonne aufgeht. Gebongt.

👇 5:40, vorher war nix von Sonne auf Grimming zu sehen.

Ich vergnüge mich während der frühstücklichen Belehrung mit meinem Kaffee und den Kühen.

Dirk meanwhile: Der Hof ist schon ordentlich belegt als wir ankommen, der Jungbauer heißt alle willkommen, ist in seinem Element, erklärt dies und das, ich höre nur mit einem Ohr hin und schon habe ich mich zum Vortrag am nächsten Morgen um 8 angemeldet. Elle hat geistesgegenwärtig dankend abgelehnt, um 8 Uhr sei sie unter keinen Umständen zu mehr als einem Kaffee aufnahmefähig und das auch nur, wenn es sein muss. Der Bauer ist irritiert und ich fürchte, ein bisschen traurig und jetzt traue ich mich erstrecht nicht, auch noch abzusagen, immerhin soll es Frühstück geben. Am nächsten Morgen Punkt 8 versammelt sich das Grüppchen Landvergnügte und andere Camper in der guten Stube, der Bauer hat einen Lichtbildvortrag vorbereitet, Thema "moderner Milchbauer" und "Wasseraufbereitung". Das mit der Viehwirtschaft ist interessant, aber ich kriege es nicht mehr zusammen. Danach werden uns Mikroskopbilder von unstrukturiertem und energetisiertem Wasser gezeigt. Das erste Bild sieht aus wie früher im Fernsehen nach Sendeschluss, das andere irgendwie auch. Leider bin ich was das Thema betrifft, einigermaßen ignorant, obwohl in unserem Freundeskreis auch fröhlich gewirbelt und aufgeladen wird und auch wir (allerdings Jahre später) nachdem wir unser Leitungswasser in Berlin durch eine Filteranlage trinkbar gemacht haben, einen Verwirbler der Extraklasse eingebaut haben, der mich einige Stunden unter der Spüle kauernd und einige Wochen Rückenschmerzen gekostet hat. Zurück zum Frühstück, am Ende des Vortrags gibt es selbstgemachten Quark von den eigenen Kühen auf selbstgebackenem Brot, damit wir mal den Unterschied zu gekauftem schmecken. Ohweh, wieder entgeht mir das Erlebnis, da meine Geschmacksnerven offensichtlich auch ignorant sind. Schade, ich hätte es dem Mann wirklich gegönnt. Nichtsdestotrotz – der Aufenthalt ist angenehm, die Kühe beruhigend, man kann ein wenig herumwandern und als wir am nächsten Tag aufbrechen, fühle ich mich bis in die Haarspitzen positiv aufgeladen.

Im hinteren Teil des Grundstücks sind Seminarhaus und Yogaräume mit herrlichstem Ausblick im Bau, na der Mann hat offensichtlich noch Einiges vor ...

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