Bergerhof auf der Krakauebene

Der Hof liegt in der Steiermark und das ist so ein bisschen das Fly-Over-Land von Österreich, wie uns der Bauer später erklärt (was bei der Größe ziemlich fix geht). Warum wir über Landvergnügen diesen Platz gewählt haben, kann ich nicht mehr nachvollziehen, aber so arg viel Angebot im Umkreis gibt es nicht und es scheint eine gute Wahl zu sein. Alleinlage, recht weit oben, mit Blick ins Tal und auf die umliegenden Berge, unten hat’s Nebel, hier ist der Himmel blau.

Die Anfahrt geht via bekanntem Terrain, Tauerngebirge, Prebersee, Tamsweg ... irgendwie kommen wir da immer wieder mal vorbei bzw. fahren eher durch, durchs Lungau.

Bergerhof
Krakauebene 39
8854 Krakau/ Österreich

Die Begüßung durch die bedächtige Großmutter-Bäuerin ist nicht nur ausgesprochen herzlich, noch nie zuvor hat jemand derart wertschätzend kommentiert, wenn wir endlos ewig und minutiös hin- und her- und zurückrangieren, bis wir die exakt richtige Parkposition haben, während man nach und nach den weichen Untergrund verwüstet: "Die Fahrerin sei wohl ein empfindsames Wesen, sie müsse halt genau drauf achten, wie sie steht" – wow. Aber nun muss sie die Tiere füttern gehen und wir richten uns ein, alles richtig gemacht (und die sperrigen Instrumente dürfen wir auch in der offenen Halle unterstellen).

Doch wie in einem Thriller gibt es Auffälligkeiten, erstens sehen wir ab dann keine Menschenseele mehr, dafür scheppert es hinter einer der verschlossen Stalltüren, als wolle etwas unbedingt raus. Zweitens ist der offene Kuhstall ziemlich trostlos und auch die Schweine haben es nicht so richtig gemütlich, da haben wir schon anderes, Besseres, gesehen.

Der nächste Morgen bestätigt das abendliche Empfinden – alles wirkt etwas verwahrlost, der Kontrast zur Nettigkeit der Bewohner ist irritierend. Das Gefühl wird nicht besser, als wir zwei abgetrennte Kuhköpfe und eine abgezogene Kuhhaut bemerken, die wie zufällig entsorgt wirken. Jetzt nur nicht nervös werden, außerdem ist das Wetter blendend.

Der Jungbauer sieht zerzaust aus, erinnert an einen Boxer mit einem auffälligen Knick auf der Nase, ist aber auch ziemlich nett. Er erzählt, dass er für gutes Geld eine Yak-Herde gekauft hat, wobei bei dem Preis klar gewesen sei. dass irgendwas mit den Tieren nicht stimmen kann. Allesamt verhaltensauffällig, er habe einen Großteil erschießen müssen. Drei gibt es noch, wobei eines von den hiesigen Kühen aus der Herde vertrieben worden sei und die anderen beiden auch nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen. Genau habe ich es nicht mehr Kopf, jedenfalls mümmelt das besagte Yak abseits von allen vor sich hin. Außerdem sollen wir vorsichtig sein, wenn wir die Weide queren, weil es unberechenbar sei.

(Hier das blonde Exil-Yak, das unten trabt mit seinem auch dunkelfelligen Kollegen immer wieder mal vor dem Gatter der eingesperrten Kühe hin und her, bei erstaunlich wenig Interaktion aller Beteiligten.)

Weitere Themen des Bauerns sind Landschaftspflege, Wasserversorgung, Kommunalpolitik, EU-Politik, Nachwuchssorgen und das Konzept mit Praktikant:innen vom Schüler bis zum Senior (gerade ist ein Mittsechziger aus Berlin im Haus, weil er Bock auf Land und körperliche Betätigung hat). Er erzählt von übereifrigen Eltern sowie deren nicht überlebensfähigen Kindern, es ist interessant, informativ, komplex, abwägend und vor allem ohne Stammtischparolen, Das haben wir schon anders erlebt … wenn nur die Kuhköpfe nicht wären. Na, wir gehen mal wandern.

Es geht über Wiesen, Weiden, Bächlein und durch Wälder. Auf den Almwiesen stehen die Lärchen im Herbstgewand, alles leuchtet träge vor sich hin. Immer wieder kommen wir an (privaten) Hütten vorbei, die traumhaft liegen und teils sogar zu mieten sind.

Serviceteil: Diese sympathische Hütte kann man hier buchen!

Beim Wandern verlaufen wir uns ein wenig (wie immer), entdecken bei der Rückkehr die beiden Yaks im Kuhstall und kaufen im kleinen Laden des Hofs hervorragende Knödel (Kaspress für die Abendsuppe) und Schinken sowie wertvolle Yaksocken (die aus der Mongolei kommen, man – sprich eine Praktikantin – hätte es mit dem Spinnen der Yakwolle hier auch versucht, aber ... Abwinkgeste). Serviceteil 2: Yaksocken gehen echt schnell kaputt, besser nur im Bett tragen.

Und da uns auch in der zweiten Nacht weder ein irrer Landwirt enthauptet noch ein wildgewordenes Yak aus dem Bus zerrt und den Berg runterschubst, geht’s am dritten Tag weiter. Hitchcock hätte seine Freude gehabt.

Erst im Nachhinein finden wir den Blog des Hofes, den YouTube-Kanal des Hausherrn sowie die Ackerdemie, die alternative Universität – der Mann hat eine Mission, soviel ist klar.

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