Same same but different

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Als Prozessionsprofis nehmen wir uns diesmal einen Sitzplatz mit Stuhl und gastronomischer Versorgung. Fairerweise muss man anmerken, dass man das in ganz Verges nirgends gefunden hätte. Und das ist wahrlich nicht der einzige Unterschied zur letzten Veranstaltung.

Es hat zwar echte Pferde und die Kostüme sind topp, aber dafür ist es taghell erleuchtet, die Straßen sind viel zu breit und wie ein Zuschauer neben uns so treffend bemerkt "it's like a walk in the park". Das Mystische fehlt völlig, obwohl sich einige Teilnehmer – und es sind etwa 8mal soviel wie tagszuvor – Mühe geben, das Ganze nach Karfreitag, Leiden und Buße aussehen zu lassen. Irgendwie denk ich trotz der Stille, die achtsam eingehalten wird (außer die Kapellen, die dürfen spielen), eher an einen Faschingsumzug und warte, dass jemand mit Bonbons wirft.

Wie viele andere Besucher wechseln wir öfter den Platz, was der Konzentration auf allen Seiten natürlich überhaupt nicht dient. Aber dafür können wir an dem neuen Spot in der Kurve super sehen, wie die Wägen mit viel Schwung und wenig Ehrfurcht ums Eck gewuchtet werden.

Gegen Ende scheinen alle ein wenig in Eile.

Das Beste ist der Stadtbedienstete, der hinter den römischen Soldaten zu Pferd die Pferdeäpfel aufsammelt. Ab und zu meldet sich sein Handy mit einem Schlagerklingelton, hektisch versucht er das Gespräch anzunehmen, findet aber leider in der Aufregung den Button nicht, ruft ins Mikro und tippert wild auf dem Display umher. Rührend, aber die Stimmung ist damit endgültig im Eimer.

Doch es gibt Parallelen – auch hier müssen die Soldaten warten, es wird geplaudert, man achtet auf Kerzen und Gucklöcher und schlussendlich finden wir dann doch noch dunklere Ecken, in denen ein wenig Stimmung entsteht. Die Kreuzigung sparen wir uns heute aber.

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