Ardèche, Sonntag 8:45 Uhr

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Der Mann mit dem Freischneider schneidet frei, leider.
Selbst hier oben, fern von allem, lacht mit Hohn, die Zivilisation.
Lach nur weiter – I don‘t care!
Hoffentlich ist bald der Akku leer.

Altbekannt. Aus Leiden entsteht Kunst.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, wir sind am Arsch der Welt. Kein Internet, mieser Handy-Empfang, nur Vögel, Insekten und Kastanienbäume. Hurra!

Um so befremdlicher, dass am zweiten Morgen – zudem ein Sonntag – ein hohes und lautes Surren den Morgenkaffee in der Sonne stört. Der einzige Nachbar weit und breit hat seinen Freischneider angeworfen und schickt sich an, sein nicht sehr kleines Anwesen von jeglichem Bewuchs zu befreien. So schnell kann Elle gar nicht reagieren, wie sich meine Laune verfinstert. Krieg einen Schlaganfall, du alter Mann mit Elektrosense!
Aber: Wir sind in einer spirituellen Umgebung, ich habe mit dem Holländer spirituelle Gespräche geführt und, nein, Gewalt ist keine Lösung und schlechte Gedanken verdunkeln das Karma. Ich werde die negative Energie absorbieren und zu Kunst machen. Und es gelingt. Siehe das oben stehende Gedicht. Leider ist es in zwei Minuten gedichtet, der Nachbar aber noch lange nicht fertig und so verbringe ich die nächsten Stunden mit schwarzen Wolken überm Gemüt. Es gibt noch einiges zu tun.

Umso absurder, wenn man vor Sonnenaufgang auf den Hausgipfel gestiegen ist, um die magische Stunde zu erleben.

Daher umso dramatischer, wenn dieser friedliche Tagesbeginn so ein jähes Ende findet. Auch ans Frühstückei kommen wir nicht ran, ein Jammer, Zaun dazwischen.

Zeit, weiterzuziehen, wir verlassen das wunderbar hügelige Grünland mit den gelben Wiesen am nächsten Tag Richtung deutscher Grenze. Und kommen prompt durch Bourg-en-Bress, nur leider hat der Metzger Ruhetag, wie gern hätten wir das Schinkenerlebnis wiederholt ...

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