Busleiden

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Dieser Eintrag handelt von einem anderen Typ Reise, einer Odyssee. Und ist von Dirk schon vor längerer Zeit verfasst worden. Er gelangte nicht zur Veröffentlichung bisher, passt aber just in die aktuelle Timeline, weil wir in Frankreich gerade ein wenig Turbolenzen mit dem Turbolader haben. Ursprünglicher Schreibanlass damals war der Ausfall der Klimaanlage in Italien. (Zu lesen wie folgt.) Update zum Turbolader geht flott, daher kurz: momentan ladert er wieder brav, sorgte aber immerhin eine knappe Woche lang für die (Werkstatt)-Route durch Südfrankreich.

Doch nun zu Dirks Odyssee:

Vorausschicken möchte ich, dass ich vor unserem Bus nie ein Auto besessen habe und deswegen in automechanischen Dingen nicht besonders firm bin. In Werkstätten ist der beinharte Macker gefragt und ich mit meiner Wattebällchenart bin ein gefundenes Fressen für Mechaniker-Prädatoren.

Meister Sternchen (Name von der Redaktion geändert) fährt selber einen T4 und kennt sich aus. Die Klimaanlage von unserem Bus hat ihren Geist aufgegeben und Meister Blümchen teilt mir gerade mit, was gemacht werden muss. Neues Klimamodul mit Steuerung nämlich, aufwändig leider, weil das Armaturenbrett raus muss, kostet ... ach, doch so viel?
Und weil wir demnächst gen Süden wollen und ich es nur hinter mich bringen will, sage na gut und übergebe die Busschlüssel in ölige, aber hoffentlich liebevolle Hände.
(Ich hatte mich übrigens vorher im Netz informiert, der Preis für die Reparatur ist zwar exorbitant, aber für die angedachte Arbeit nicht unrealistisch). Elle glaubt nicht dran, lässt mich aber machen. Zwei Tage später ist der Bus repariert, aber Meister Sternchen ist aufgefallen, dass er nicht gut startet (gut erkannt, er startet sogar ziemlich schlecht). Ick hab ma die Glühkerzen geprüft, sagt er, sin alle hinüber, für schmales Geld könne er die gleich mit wechseln. (Unser Bus, habe ich vorher recherchiert, sollte auch mit kaputten Glühkerzen einigermaßen starten), aber wenn er schon mal da steht, ok warum nicht?

Also, starten tut er bessa, aba noch nich jut, findet Meister Sternchen (ich finde er startet genau so schlecht wie vorher), aber man könnte ja noch den Dieselfilter austauschen, der sei mit Sicherheit verstopft und so alt wie er aussehe, noch nie gewechselt worden, na wenn er schon mal da steht, warum nicht?

So, jetzt looft er wieder, sagt MS, als ich den Bus abhole, der Aus- und Einbau des Armaturenbretts sei allerdings eine Schinderei gewesen, weil irgendjemand (der Tuning-Erstbesitzer) Gott weiß was dahinter verkabelt hat. Aber jut, jetzt tut er’s ja.
Der Bus steht schon im Hof und startet genau so schlecht wie immer, aber ich will einfach diese Episode abschreiben und weg (außerdem hatte MS eh darauf hingewiesen, dass man sich da unter Umständen weiter vortasten müsse).

Da der Bus ein paar Tage nicht benutzt wird, stelle ich erst später fest, dass die Rückfahrkamera nicht geht, die Boxen in der Tür auch nicht und das Mikrofon von der Freisprechanlage fehlt.
Also zurück zur Werkstatt und Krawall machen? Oder zum Auto-HiFi-Laden und die Sache richten lassen? Was, wenn MS die Sache selber beheben will und nochmal das Armaturenbrett abschraubt – alleine bei dem Gedanken wird mir schon anders.

Mit dem HiFi-Laden habe ich übrigens gute Erfahrungen gemacht. Bringen sen mal vorbei, sagt der Chef, als ich den Sachverhalt erkläre, länger als ne Stunde wird’s nicht dauern. 4 Stunden später kriege ich eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist, alles läuft wieder (obwohl irgendwer Kabel gekappt hat) und das Mikrofon wurde auch hinterm Armaturenbrett gefunden, die Rückfahrkamera – und das ist die schlechte Nachricht, sei aber wohl kaputt.
Außerdem sei ihm aufgefallen, der Bus würde nicht gut starten, ich solle doch mal hochwertigeren Diesel tanken, der würde besser verbrennen und bei ihm hätte das geholfen. Guter Tipp, werde ich gleich ausprobieren, aber erst noch beim rückwärts auf die Straße fahren eine Straßenlaterne rammen (Ironie des Schicksals, die ersten drei Meter im Rückwärtsgang ohne Rückfahrkamera). Ergebnis: Stoßstange kaputt und Delle in der Heckklappe.

Kurz drauf: Ronnie vom Campingcenter Lichtenberg hat wieder eine eigene Werkstatt, was ich nicht wusste. Um so mehr ärgert mich das Intermezzo bei Meister Sternchen.
Da auch noch TÜV ansteht, fahren wir bei Ronnie vorbei, um einen Termin für den Austausch der Stoßstange zu machen. Kein Problem, Termin allerdings erst in 6 Wochen, kleben wa mal Gaffa-Tape uff die Stoßstange und schauen, was der TÜV sacht. (Spoiler: Der TÜV sacht, die Bremsen sind hinüber und müssen gemacht werden.) Und wenn er schlecht startet, sagt Ronnie, sollen wir ein Additiv dazu geben und ne lange Strecke fahren, damit der ganze Ruß mal ordentlich verbrennt.
Gut, dass wir am nächsten Tag Richtung Süden fahren. Ab Höhe Nürnberg startet der Wagen wieder wie eine eins. (Brennen sollst du in der Hölle, Sternchen). Da ist's auch nicht weiter schlimm, dass kurz hinter Berlin wieder mal ein Stein eine hässliche Macke in die Scheibe schlägt.

München: Um die ganzen Scherereien hinter mir zu lassen, werde ich im Hof von Elles Eltern in München endlich die fehlende Radnabenabdeckung anbringen. Elles Bruder hat extra einen Gewindeschneider besorgt, denn die Schraube, die die Abdeckung festhält, greift nicht richtig und vielleicht hängt Dreck im Gewinde.
5 Minuten später steckt der abgebrochene Gewindeschneider im Gewinde fest und ich muss zu guter Letzt doch ein wenig weinen, aber so, dass es keiner sieht.

Italien, drei Tage später: Gerade hat sich die Klimaanlage wieder verabschiedet. (Brenne, Meister Sternchen, brenne!)

Nachtrag: Meister Sternchen hat nach Rückkehr ein Relais ausgetauscht, Dauer 2 Minuten, seitdem läufts. (Brenne ...!)

1 Comment

  1. Silvia Brunner says: Antworten

    So lustig die Auto-Odysee. Heli und ich amüsieren uns gerade prächtig. Sind gerade in den Friauler Dolomiten und bei unserem Transit funktioniert alles bestens.

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