People have the Power

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Dieses Jahr ist der ausländische Hauptact des Musicalarue Patti Smith, mit der ich bis jetzt nie viel anfangen konnte. Aber da wir nicht wie die anderen zum Flieger müssen, bleiben wir weiter auf dem Festival, besorgen Elle noch aufwändig (danke Kiki!) eine Karte (hatten wir uns einfacher vorgestellt, aber erstmalig ist das ganze Festival bereits eine Woche davor komplett ausverkauft mit 45.000 Besuchern) und ziehen am nächsten Abend zur Hauptbühne.

Kurzgesagt, das Konzert ist tief bewegend. Patti Smith: Rocker, Punk, zerzauste Hexe, zähe Überlebende und winkende Großmutter. Die Band: exzellent unperfekt. Manchmal holprig am Anfang eines Songs, nimmt sie sich die Zeit, die es braucht, um in einen unerschütterlich tuckernden Groove zu kommen. It's fucking Rock and Roll.

Die Botschaft ist „Wir alle sind frei“ und Patti Smith nimmt das ernst, ohne Ironie und Zynismus und ob des unguten Gefühls, dass alles, wofür ihre Generation gekämpft hat, den Bach runtergeht. Eine Haltung darf nicht durch die Aussichtslosigkeit oder das Scheitern des Unterfangens aufgegeben werden. Schwächeln, straucheln, in Frage stellen, ja, aber nicht resignieren. People have the Power.

Und während wir von Lenny K., dem Gitarristen der Urbesetzung (auch der Schlagzeuger ist noch der originale) erfahren, dass er letztens wieder mal die Rolling Stones gesehen hätte und dass sie immer noch die Rolling Stones seien und dass sie noch immer frei seien, stößt mir bitter auf, wie oft ich meine Haltung mit Ironie und Zynismus verwässere.

Liebe, Frieden, Verständnis, Kunst, ideelle Werte und Wertschätzung – Ironie aus.

In meinem neuen (von Elle geschenkten) Patti-Smith-People-have-the-Power-Shirt, geht es mit wehenden Fahnen und besten Vorsätzen am nächsten Morgen Richtung Atlantikküste. Den letzten Tag schenken wir uns, da jeder auf dem Festival zum Ende hin einen sitzen hat. Es gleicht es einem ausgelassenen Heerlager und wie auf einer guten Party muss man wissen, wann man sich verdrückt.

Am Atlantik nämlich, gar nicht weit von Luxey, am Cap L'Homy, steht Elles Exfreund Hendrik samt Familie und Jugendfreund Jean aus der Bretagne auf einem weitläufigen Campingplatz. Sie kennen den Platz bereits aus Vorjahren, es hieß, die Buchungslage sei entspannt, denn die letzte Ferienwoche der Franzosen bräche an und deswegen seien die meisten schon nach Hause gereist.

Kann man leider nicht nachprüfen, denn auf dem Platz stehen fast ausnahmslos Deutsche und er ist komplett ausgebucht. Dank unserer Patti-Smith-gestählten Unbeugsamkeit ringen wir der Managerin noch ein Plätzchen ab und betreten die wunderbare Welt des Familienurlaubs.

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