Der Linzer Kantor Erich Posch war eine regionale Prominenz, seine Frau eine begnadete Sängerin und die kinderreiche Familie der unsrigen so eng verbunden wie unsere Verwandtschaft in Linz, so dass ich mich immer erinnern musste, dass die Posch-Kinder seltsamerweise nicht unsere Cousinen und Cousins sind. Angefühlt hat es sich aber immer so. Lag sicher auch daran, dass meine Eltern sich in der Kantorei kennengelernt haben und viele im Chor langjährige und enge Freunde wurden. Diese Nähe sprang auf die nächste Generation über und mit dem gefühlt-Cousin Johannes, seiner Frau und Kindern haben wir bis heute Kontakt.
Ebelsberg
4030 Linz
Er ist es auch, der uns von der Ferne ins Grundstück einweist und für unsere nächtliche Ankunft den Platz vor der Garage erklärt, damit wir die betagte Mutter nicht aufscheuchen müssen. Sie hat dafür ein herrliches Frühstück mit duftendem Kaffee parat, als wir etwas verknautscht zum Duschen ins Haus kommen. Zum Plaudern ist nicht viel Zeit, wir müssen uns fertig machen für die Verabschiedung in der Lutherkirche.
Ein Glück, dass wir eine weitere Nacht haben, um uns noch in Ruhe auszutauschen und uns alle Veränderungen auf dem Grundstück zeigen zu lassen. Viele Erinnerungen tauchen auf, vermischen sich mit Erzählungen der Eltern und selbst Erlebtem ...
Es ist intensiv, meinen Patenonkel nur 3 Monate nach meinem Vater zu verabschieden, erst an Pfingsten haben wir uns in fast der gleichen Verwandtschaftsrunde gesehen. Aber es ist ein Geschenk, diese Intensität teilen zu können, in der gemeinsamen Trauer, den Vater verloren zu haben.
Wir fahren zum Abschluss noch zum Haus meiner Großmutter, in ihrer ehemaligen Wohnung lebt nun der Sohn meiner Cousine. Er ist St. Florianer Sängerknabe, sein Foto – Spoiler – werden wir am nächsten Tag ganz unvermutet an einem anderen Ort auf einem Plakat entdecken. Mitten in der Nacht schleichen wir uns raus aus der Stadt, vorbei am Ars Electronica Center ins nördliche Umland.
