Und zack, wieder Österreich. Was uns diese Grenzverlauf noch bescheren wird, außer steile lange Treppen ohne Geländer, wird sich noch herausstellen.
Wir fremdeln noch ein wenig mit diesem Landvergnügen Stellplatz, da nicht ganz klar ist, wo man hier stehen kann (wir befürchten auf dem Parkplatz) und wie die Gästesituation ist (wieviel weitere Camper hier noch übernachten wollen). Es ist zuviel Betrieb, um mal eben nachzufragen, daher erstmal was essen und einen Becher Most, dann wird sich das schon ergeben. Die Jausen sind hervorragend, der Kuchen auch, sogar vom Most geht ein zweiter Becher, kein Wunder, dass es dann ganz geschmeidig wird.
Jausenstation Seeleiten
Seeleiten 4
5141 Seeleiten, Österreich



Alles entpuppt sich als äußerst entspannt, wir dürfen uns auf Nachfrage mitten zwischen die Weiher stellen – welch unerwartete Fügung. Wir wandern ans Moor, genießen die intensiv farbige Abendstimmung und schlafen mit Krötenkonzert und dem unentwegten Rufen und Pfeifen der Brachvögel, Bekassinen oder Kiebitze ein – wer genau da pfeift und ruft, finden wir nicht heraus, auf den Prospekten sind jedenfalls diese drei genannt.





Wir wollen auf dem Heimweg nach Berlin noch meine Mutter in der Reha in Aidenbach besuchen – deswegen auch die Platzwahl. Zum Tagesauftakt werden wir erstmal im Dorf kontrolliert, ob unser Bullenfänger eingetragen ist ... warum interessiert man sich hier dafür, dröhnende Langeweile der örtlichen Polizei? Na, wir durchsuchen alle Fächer im Auto, wo der Wisch abgelegt sein müsste und finden ihn tatsächlich. Inzwischen nettes Geplauder – also Langeweile gepaart mit Neugier, wann kommt schon ein schwarzer Berliner Bulli mit dunklen Scheiben durch den Ort? Immerhin und außerdem sind wir im Grenzgebiet.
Na, gut gelaufen, nun zurück nach D und via Laufen (höhö) direkt nach Kirchanschöring, können doch keinesfalls so nah bei Meindl sein und nicht reinschauen ...



Ein bisschen war miteinkalkuliert, dass ganz eventuell ein Paar Schuhe dabei passieren, zudem hat ja die Tour aufs Purtscheller Haus ja einen konkreten Bedarf gezeigt. Prompt lockt ein besonderes Schnäppchen und Elle ist ein Paar Bergschuhe reicher, in einer "Klasse" höher = härtere Sohle, härterer Schuh, höhere Bergtouren.
Damit auf nach Aidenbach zu Mutter, ihren Zustand mit der neuen Hüfte erkunden, mit dem freshen Rollator eine Runde ums Haus bewegen, Scrabble spielen, ukrainischen Quittenschnaps trinken – sie hatte sich mit der Bedienung schon tiefer in die Materie eingearbeitet, er serviert mittlerweile Selbstgebrannten. Beruhigt, dass sie mit den Umständen augenscheinlich gut umgehen kann, treten wir die Heimfahrt an.



Die allerdings eine jähe Unterbrechung bekommt, denn zum zweiten Mal – diesmal imposant dirigierend auf der Autobahn – winkt uns heute die Exekutive raus. Nun ein Trio, zwei gestandene Beamte und eine junge Beamtin in Ausbildung. Woher wir kämen, aus Österreich, aha falsche Antwort, da man sich wohl fragt, wieso wir dann hier über den kleinen Grenzübergang gekommen sind. Mutter in der Reha besucht, wäre womöglich die bessere Antwort gewesen.
Die Beamtin fängt jedenfalls ohne Umschweife sofort an, in den Ablagen unseres Busses herum zu nesteln, sapperlot, eine richtige Durchsuchung! Darf die das? Bis 30km von der Grenze entfernt schon, da bräuchte es keinen Durchsuchungsbescheid. Aha, gut zu wissen. Wir haben kaum was zu verbergen, aber ich bin trotzdem nervös, wie beim Verlassen einer Boutique, wenn man nichts gekauft (und nichts geklaut) hat und trotzdem fürchtet, der Alarm geht an (mir, Dirk, geht’s jedenfalls so). Um ehrlich zu sein, bin ich mir auch nicht sicher, ob nicht doch irgendwelche verschütt gegangene Überbleibsel von diversen Festivals auftauchen.
Es ist eigentlich eine Schande bzgl banalstem Profiling (Berliner Kennzeichen, schwarzer Bus, verdunkelte Scheiben), aber Elle hat inzwischen alle Anwesenden in unverfängliche Gespräche über Reha, Wanderschuhe und generelle Zollfragen verwickelt (wie ist das eigentlich mit Alkohol und Zigaretten inzwischen und ach, in meinem Kulturbeutel dürfen Sie ohne konkreten Verdachtsmoment wühlen? wie unangenehm) und nach der heiteren (und sehr dreisten) Unterstellung, wir als Berliner hätten doch sowieso einen Joint an Bord (wäre schon legal), plaudern wir noch über dies und das, die junge Beamtin nestelt sich immer noch durchs Gepäck und ich wäre froh, wenn jetzt auch Elle mal mit ihren Fragen zum Ende käme. Irgendwann wird es allen zu langweilig und mit der fast schon enttäuschten Bemerkung, hier würde man wohl doch nix finden, dürfen wir weiterfahren.
Wobei ich mich eh wundere, warum wir mit unserer extraverdunkelten Karre mit dem bösen Rammbockblick nicht öfter kontrolliert werden. Die Fahrt zum Etzdorfer Hof – weiter wollen wir nicht mehr heute – verläuft ohne weiter Zwischenfälle, gut so. Wir kehren bei den Tieren ein, können runterkommen und ruhig schlafen.
Nächsten Mittag hat uns Berlin nach langen viereinhalb Wochen wieder.









































