Extra kurzes Sommerresümee – und unser neuer Freund

Auf der letzten Fahrt in Bayern haben wir jedesmal frei gestanden, geht doch. So langsam legen wir die Manschetten ab, die wir deswegen haben. Gut, es brauchte nicht viel Wagemut, denn es hat immer geregnet und ich glaube nicht, dass sich jemand nachts ins Ölzeug zwängt, um nach halbkoscheren Übernachtern zu suchen.
Diesen Sommer haben wir jedenfalls die Grenzen unserer (meiner) Outdoorbegeisterung ausgelotet, Resümee: Regen ist gar nicht meine Sache, da ziehen mit den grauen Cumulus vor Ort auch bei mir dunkle Wolken vors Gemüt. Deswegen fahren wir wahrscheinlich später im Jahr auch zum zweiten Mal nach Portugal, da war es zwar letztes Jahr auch kühl und verregnet, aber diesmal wird es der Fairness halber trocken und warm sein.

Damit unser Bus das auch schön mitmacht und weil er seit ein paar Wochen etwas Kühlwasser verliert (laut Elle reine Einbildung), habe ich ihn letztens zur Inspektion gebracht. Hast du einen guten Tipp, höre ich da fragen? Denn gute Werkstätten sind heißbegehrt und Mangelware. Habe ich also einen guten Tipp? Um ehrlich zu sein, ich kann es nicht sagen. Aufgrund einer Forumempfehlung von 2009 bringe ich den Wagen zu Fränkie.
Fränkie ist so jovial wie breit und in seiner Werkstatt weht ein wärmerer Wind als in den frostigen Hallen anderer Werkstätten. Er kann sich dran erinnern, dass wir letztes Jahr die Winterreifen eingelagert haben und der Bus auf Frau Brüsch angemeldet ist, allerdings nicht genau, warum ich da bin. Ach stimmt, wejen der Inspektion, hamma telefoniert wa? Jetzt bin ick wieda uff Spur. Unschwer erkennt man, der Mann ist ein einheimisches Gewächs, endemischer Marzahner, um genau zu sein. Da ständig dies und das verhandelt, jenes besprochen, Menschen begrüßt und verabschiedet werden und auch die ein oder andere Anekdote erzählt werden will, muss man ein wenig Zeit mitbringen, beim Bus abholen noch etwas mehr als beim bringen. Dies bedenkend veranschlage ich dafür zwei Stunden, das 6-fache der Zeit, in der ich annehme, dass so etwas erledigt werden kann. Der Tag ist ungewöhnlich schwül, zudem rebelliert der Magen vom Chicken Curry am Vortag. So gesehen halte ich mich die zwei Stunden recht gut, also senkrecht, und lasse mir den Kühlschlauch mit dem Marderverbiss zeigen (ha!), nochmal die Klimaanlagenentschimmelungsmaschine erklären und das Gekritzel auf dem Zettel, was noch alles gemacht wurde, vorlesen.
Da bekäme ich aber auch noch mal ne detaillierte Rechnung geschickt, sagt Fränkie (bin gespannt wie ein Flizzebogen). Jetzt wird mir in kurzen Abständen wirklich elend, dafür ist der Preis für alles erstaunlich moderat und endlich kann ich den Bus rückwärts durch den sehr, sehr engen Hof nach draußen zirkeln. Als der Motor das erste Mal über 2000 Umdrehungen kommt, macht es einen Schnaufer und der Bus zieht nicht mehr. Zurück durch den sehr, sehr engen Hof gezirkelt, mutmaßt Fränkie, der Schlauch zum Turbolader sei nicht richtig befestigt gewesen und abgefallen, kein Problem. Der polnische Mechaniker muss eigentlich dringend weg und der Schlauch ist weit unten im Motorraum und dieser, trotz der kurzen Fahrt, ziemlich heiß. Aber jetzt, schau an, hat er ihn doch festbekommen, hurra! Wieder rückwärts durch den sehr, sehr engen Hof, 2000 Umdrehungen, Schnaufer, nochmal zurück durch den sehr, sehr engen Hof. Watten ditte, sagt Fränkie und ein weiterer Mechaniker nimmt sich der Sache an, der erste ist wahrscheinlich auf dem Weg zu seiner Frau, die er wohl nicht mehr lange habe, wenn er an der auch so rumschraube, sagt der zweite Mechaniker, ja mit Humor geht alles besser. Wie durch ein Wunder hat sich der Magen beruhigt und diesmal hält der Schlauch.
Was also spricht für Fränkies Werkstatt? Immerhin haben sie etwas repariert, sonst wäre die Manschette nicht locker gewesen und aus der Klimaanlage riecht es einige Tage nach Duftbäumchen, da wurde also auch gewerkelt. Auch das hintere linke Rücklicht hat keinen Wackelkontakt mehr und das hatte ich gegenüber Fränkie gar nicht erwähnt. Bei Elles ehemaliger amtlicher Skoda Vertragswerkstatt wurde auch immer mal (zu weit höheren) Preisen gepfuscht, scheint mir also nicht die Ausnahme zu sein. Am Ende ist es eher eine Entscheidung, ob man sich beim Landarzt oder in der Poliklinik besser aufgehoben fühlt. Ich denke, wir werden bei Fränkie bleiben und sei es nur aus purer Bequemlichkeit. Und weil ich immer noch auf die detaillierte Rechnung warte.

P.S. Am nächsten Tag fällt mir auf, dass hinten links ein Teil der Felgenabdeckung fehlt (selbstredend bei VW auch nicht mehr lieferbar). Fränkie angerufen, wir ham die Reifen nicht anjefasst, aba ick kiek ma ob hier wat rumliecht. Rückruf zehn Minuten später: Einer der Mechaniker glaubt, so etwas in einem anderen Wagen gesehen zu habe, auf meinen Einwand, das wäre ja geradezu absurd und wie denn das sein könne, meint Fränkie, wisse er auch nicht, aber es sei als Inspiration für mich gedacht.
Beginnt so eine wunderbare Freundschaft?

2 Kommentare

  1. Anton sagt: Antworten

    Schön erzählt, Elke! Ich höre dir gerne zu. Gibt’s auch noch ne Audio-Version?
    Gute Reise(n),
    Anton

    1. hessenorhelladmin sagt: Antworten

      Hui, na das wäre ja nochmal ne Herausforderung … aber wer weiß, vielleich sogar weniger Arbeit als das ganze Tippeln? 😉
      Und um die Lorbeeren korrekt zu verteilen, just diesen Artikel hier hat Dirk verfasst 😉 Aber so oder so, vielen Dank für dein Lob!

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