FULL PULL – der Tag der Tage

Es ist soweit, it's the day of Traktorpulling. Mittags wagen wir uns aufs Gelände, wo die meisten bereits eine durchgefeierte Nacht hinter sich haben. Wir grooven uns ein und sehen uns erstmal alles in Ruhe an.

Es gibt eine Hauptarena, wo schon fröhlich gepullt wird und Besucher die ersten (exklusiv nur an einer Spezialbar eingekauften) Bierchen beim Köttbullar-Mittagessen einnehmen. Dahinter ist das Areal der auffrisierten Extra-Tuningmodelle mit ihren Besitzern. Hier wird emsig an den Motoren herumgespielt und Dampf gemacht – eine wichtige Grundvoraussetzung für alles hier, was Motor hat. Wenn es nicht schlimm-schwarz qualmt und stinkt, gilt es nix und wird ignoriert. Je dichter die Wolke, desto interessierter die Besucher, immer schön nah ran, genau hingucken und tief einatmen.

Wir mischen uns unters Volk, stellen aber schnell fest, um wenigstens als Mitläufer wahrgenommen zu werden, brauchen wir mehr Hotdog im Leib und das korrekte Cap auf dem Kopp. Auf zum Merchandising.

Tapfer steuern wir gegen die Kaufreflexe – Dirk hat Dejavus aus Drummerzeiten, die er stark im Zaum halten muss. Doch wir schaffen es, uns ausschließlich auf Kopfbedeckungen zu beschränken. Gestärkt mit Wurst und Zuckerstange widmen wir uns nun der Oldtimerfraktion.

Hier werden auch bereits die Gewichte über den Platz gezerrt, mit unterschiedlichem Erfolg. Und wir lernen das Wort des Tages: FULL PULL! Was in dieser Klasse nicht allzu oft fällt, da die betagten Maschinen eher optisch was hermachen als ziehtechnisch. Denn FULL PULL ist es nur, wenn die Ziellinie mit dem – während der Strecke immer schwerer werdenden Gewicht – erreicht wird.

Weiter auf dem Gelände, der Timetable ist lang und die Fläche groß.

Wieder müssen wir an sehr speziellen Verkaufsbuden vorbei – ehrliche Ware, hier wird nichts geschönt.

Wir landen beim Traktorspeedway. Schön schlammig, schön qualmig und immer schön im Kreis. Zwischendurch macht ein Spritzwagen die Strecke nochmal extra nass, damit es ja schön dreckig bleibt. Die Fahrer kommen mit Schlammfontänen im Gesicht stolz in die Box zurück – so gehört sich das. Fürs Publikum gibt es ein wenig Regen dazu.

Weiter zur Ausstellung der Traktoren. Dazwischen Hüpfburg, Popcorn, Traktorverkäufer – und der ländliche Nachwuchs um den selbst getuneten Volvo geschart. Für jeden was dabei.

Ich finde ja, die Veranstaltung hat Längen – falls es euch also beim Lesen hier auch so geht: Beileid und Volltreffer, dann könnt ihr diesen fulminanten Tag hautnah nacherleben.

Aber keine Müdigkeit vorschützen, der Hauptevent des Tages steht an: Dieselpulling (weißte Bescheid) in der Main Arena. Vorher dürfen die Veteranen noch Qualm ablassen. Weiter geht's und dann reißt auch der Himmel auf.

In Wahrheit dauert es dann doch wieder noch ein halbes bis Stündchen, bis die schicken Traktörchen alle am richtigen Platz stehen, also nochmal die Beine vertreten, ein Hotdog nachlegen und ein teures Bierchen zischen. Und das Licht ist grad so schön.

Den weiteren Abend lassen wir uns mal frontal, mal von links, mal von rechts einqualmen. Sehr verwunderlich, dass die Kinder hier zwar allesamt mit Ohrschützern ausgestattet werden, nicht aber mit Atemmasken. Aber alle sind unermüdlich am Start, das hier ist Ehrensache, nicht nur schnödes kurzweiliges Entertainment!

Das Ende haben sich alle Anwesenden hart erarbeitet, jetzt dürfen noch die aufgemotzten Miniboliden ran (enttäuschend, leider) und dann auch endlich die Trucks (erfreulich). Kurz vor dem letzten Pulling muss die Familie unter uns dann doch gehen, die Kindern hatten kurz vorher noch beherzt über die Tribüne gekotzt. Finale.

Alle machen sich auf den Heimweg, ruckzuck leeren sich die Tribünen. Aber es spielt doch noch eine Liveband!! Nachdem ich immer sehr großes Mitleid mit ignorierten Acts habe, müssen wir leider noch ein wenig bleiben und das Elend miterleben. Aus einem Klapp-Truck heraus (entblättert sich in 15 Sekunden vom LKW zur Soulbühne mit kompletter PA und Lightshow sowie 7 Musikern drin) performen sich die Profis (soviel ist klar) die Seele aus dem Leib – für 5 betrunkene Jugendliche, die nicht wissen, wo sie gerade sind.

Es hilft nichts, wir müssen gehen, denn danach kommt auch noch ein DJ, den ich retten müsste und um all das zu ertragen, ist dann doch das Bier zu teuer. Wir überlassen das Feld den druckbetankten selig grinsend und wie ferngesteuert über die Tribünen wankenden Mittzwanzigern, die hier ihre Hauptattraktion des Sommers feiern. Good luck und have fun. FULL PULL for all of you.

1 Kommentar

  1. Silvia Brunner sagt: Antworten

    Ein verrücktes Volk die Schweden. Aber Traktor-Speedway ist voll lustig. Und die Abgaswolken-Formationen crazy!

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