Zeitlos

Schon nach 2 Tagen hat Zeit keine Bedeutung mehr, wir fahren irgendwann an einen See und lassen die Beine ins Wasser baumeln, bummeln durch die Holzstadt Eksjö, trinken Kaffee in Jönköping (das k mit ch ausgesprochen), fixieren Holzbalken, sammeln Pilze, grillen Elchwürste, trinken den Whisky alle, empfangen Henryks Mutter, die zum Geburtstag kommt, besuchen eine Kinovorstellung in Hultsfred, weil Henryk warum auch immer Filmvorführer im dortigen Kino ist, treffen Freunde, Verwandte, Verflossene, Automechaniker, schrauben Spanplatten an, sammeln noch mehr Pilze, bieten Pannenhilfe, fahren zum nächsten und übernächsten See, duschen zum Schluss im Freien, weil die Holzverkleidung dem Umbau zum Opfer fällt, entwerfen Prospekte, besuchen ein Konzert von schwedischen Superstars, die wir nicht (Henryk aber persönlich) kennt, bereiten den Geburtstag vor und machen lange Waldspaziergänge. Das ist besonders, weil dieses Jahr keine einzige Mücke der sonst so berüchtigten schwedischen Mückenplage mehr übrig geblieben ist. Dafür gibt es lustige Fliegen, die aussehen wie zu große Zecken aus dem Borg-Universum, sie sitzen auf den Klamotten, krabbeln unters Shirt und verfangen sich in den Haaren. Abends stellt sich raus, wir haben Bekanntschaft mit der Elch- oder Hirschlausfliege gemacht. Diese stürzt sich im Normalfall auf vorbeilaufende Hirsche (oder Elche), wirft die Flügel ab und krallt sich ins Fell, dort lebt sie vom Blut des Wirtes und gebiert lebende Larven. Na vielen Dank, ab jetzt juckt's ständig am Kopf und in den Wald geht's auch nicht mehr. Das ist aber auch der einzige klitzekleine Makel, den wir gefunden haben.

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