Plitvicer Seen

Der Nationalpark ist – um es vorweg zu nehmen – der Knaller, einer von den verbotenen polnischen Böllern geradezu. Deswegen fahren alle hin und es ist um 10 Uhr schon sehr voll, um dann noch etwas voller zu werden, bevor es bis zum Abend richtig voll bleibt. Es ist auch nicht so, dass sich die Massen im Park verlaufen, an den Wasserfällen steht man Schlange, es wird mehrfach einspurig, gibt Rückstau und man wird hin und her geschoben. Wenn man per Boot den See durchqueren will (was man sich schenken kann), wartet man ein Weilchen, oder macht es wie die zwei italienischen Rentnerpärchen, die sich "unauffällig" bei uns einreihen. Während Elle über die Logistik mault und sich über die Italiener empört, möchte ich doch wärmstens empfehlen, dieses Gesamtkunstwerk aus Licht, Form, Farbe und Kontur zu besuchen. Denn – und das kann Elle trotz Orga-Gemaule bestätigen – trotz wirklich vieler Menschen ist die Natur hier so fesselnd und extraordinär und dabei so selbstverständlich faszinierend, dass der Touristenwahnsinn völlig in den Hintergrund der Wahrnehmung tritt. Das ist wirklich großes Kino.

Hier ein paar irritierende Eindrücke vom Start am Eingang. Die Schlange war kurz, wie wir nach 15 min feststellen, da waren wir nämlich schon durch und die Kloschlange bereits so lang wie vor den Kassen. Wir wählen Route C und steigen ins erste Panorama. Und dann in die nächste Schlange. Lustig sind die verschiedenen Selfie-Styles, die man je nach Herkunftsland beobachten kann. Wobei den Japanern die größte Ehre gebührt, lückenloser und professioneller posed hier niemand, wir schon gar nicht.

Im selbstredend transparenten Wasser stehen Hechte (Wer bitte hat schon jemals einen Hecht im Wasser stehen sehen? Und hier sind es gleich drei in Folge!), wunderbar choreographierte Fischschwärme mäandern umher und Schlangen gleiten durchs Ufergebüsch. Eine Unmenge von Grüntönen umgeben uns, am Wasser, im Wasser, oben, unten, dazwischen.

Das Wasser hat (und tut es noch immer) auf seinem steten Weg abwärts eine vielstufige Landschaft mit den unterschiedlichsten Formen an Wasserfällen geschaffen, sowie x Seen und terrassenartige Wassergebilde, die immer aufs Neue den Blick fesseln. Das Gebiet ist durch Knüppelwege und Holzstege erschlossen, niemand büxt aus und emsige Mitarbeiter halten alles peinlich sauber. Aus den anvisierten drei Stunden werden perfekte sechs, dann treten wir heraus aus diesem dreidimensionalen Landschaftsgemälde. Am Ausgang gibt's ein Bier und Wurst mit Pommes zum Runterkommen, what a wonderful world this could be.

4 Kommentare

  1. K-H sagt: Antworten

    Super Photos habt ihr da gemacht, mein Favorit, der Typ auf dem Steg der mit nem Selfie-Stab und Adventure-Camera ein Unterwasserphoto von den Fischen macht und mit der anderen Hand das Ganze noch mit seinem Handy photographiert – spitzenmäßig.

    1. hessenorhelladmin sagt: Antworten

      its all about the media!

  2. Panja Gobel sagt: Antworten

    Schaut toll aus, wollte da schon länger mal hin, aber diese Horden warn sicher nervig…? Das Bild mit dem underwater Selfie Stab is klasse, koennte man sicher gute Horror movies damit machen..

    1. hessenorhelladmin sagt: Antworten

      Erstaunlicherweise waren wir gar nicht genervt, wir fanden es eher originell 😉 Man weiß ja vorher, dass es voll ist und stellt sich schon drauf ein. Aber klar, toller wären weniger Leute und kein Stau am Wasserfall oder bei der Bootsüberfahrt – da war ich dann tatsächlich genervt, aber hauptsächlich wegen der dreisten Vordrängler

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